Bogen

Seit über 20 Jahren praktiziert Meister Aguilar die Chan/Zen-Disziplin des Bogenschießens. Eine Disziplin, die den meisten asiatischen Tempeln und Meistern, inklusive dem Shaolin Tempel, verloren gegangen ist. Eine Disziplin, die rein technisch kein großes Mysterium ist. Man spannt den Bogen, legt den Pfeil auf, öffnet den Bogen und schießt.
Diese Disziplin wird im Chan aber weit mehr praktiziert, als der technische Ablauf und das Perfektionieren von Zielen und Schießen durch moderne Technologie und Hilfsmittel. Der Bogen wird in den Händen eines Chan-Meisters wie Huang Aguilar zu einem Instrument und Werkzeug des Chan selbst. Die Erfahrung des Bogenschießens wird eine völlig andere, das Ziel ist nicht mehr die Perfektion des Treffens, nicht das Erreichen der meisten Punkte.

Der Bogen wird zum Symbol des Chan selbst. Die tatsächliche Bedeutung des Bogens zu erläutern ist also, wie beim Chan auch, unmöglich, und der Versuch würde von Dummheit und Unwissenheit zeugen. Die Lehre des Chan redet vom Bogenschießen über das eigene Erleben, ein kurzer Moment und die Erfahrung.
Der Meister Aguilar lehrt ein Bogenschießen, dass sich nicht um die gängigen Standards kümmert. Er schießt mit einem Bogen von extrem starken Zuggewicht, stärker als die normalen Bögen von Sportlern oder ähnlichen Tempeln. Er schießt mit einem Präzisionsbogen, völlig ohne optische Hilfmittel. Er richtet den Pfeil nicht direkt an dem Auge aus und öffnet nicht auf die olympisch-korrekte Weise. Der Schuß ist instinktiv, es erfolgt also keinerlei Ausrichtung an Bogen oder Ziel.
Teilweise schießt er mit Pfeilen mit schlechter oder gar keiner Befiederung, mit Pfeilen, die alt sind und beschädigt, oder neu und unversehrt. Oder er schießt mit Bögen, die nicht kalibriert sind oder neuen, frisch-kalibrierten Bögen. Wie im Leben geht es in dieser Chan/Zen-Disziplin nicht um die Perfekheit der äußeren Werkzeugen, sondern und das absolute Erleben des Bogenschießens in jeder Ausprägung.
